Aktuelles

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Was kann einer vom Jahrgang 1929 im Jahre 2015 so wichtiges mitzuteilen haben, dass er sich eine Website einrichten lässt? Natürlich nichts außer ein paar Erfahrungen und Beobachtungen. Und dennoch – es sind Erfahrungen aus etlichen Jahrzehnten und Beobachtungen, die auf diesen Erfahrungen beruhen.

Auf dieser Seite möchte ich in unregelmäßigen Abständen vor allem aktuelle Sprachglossen und andere journalistische Arbeiten vorstellen, bei Bedarf auf größere Beiträge wie neue Bücher hinweisen und von mir geplante Termine nennen. Unter der Rubrik Leserkommentare lade ich Sie herzlich dazu ein, Bemerkungen und Anregungen zu hinterlassen oder Fragen zu stellen.

 

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26.8.2015

Abendlied

Gottfried Keller

Augen, meine lieben Fensterlein,  
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh,
Legt sich auch in ihre finstre Truh.

Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.

Doch noch wandl ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!

                                                                                                          Ralf Bachmann im Oktober 2014 mit seinem Urenkel



Heute, am 26. August 2015, erlag Ralf Bachmann nach vielen Momenten der Hoffnung, doch zuletzt auch immer wieder schweren Stunden, seiner Krankheit. Im Berliner St.Hedwig-Krankenhaus ist er mit Blick auf die Neue Synagoge friedlich eingeschlafen.

In Erinnerung behalten wir ihn als einen humorvollen Geschichtenerzähler, wachsamen Zeitzeugen, kritischen Journalisten, neugierigen Reisenden, ehrlichen Ratgeber, perfekten Nudelsuppenkoch – aber vor allem als einen wundervollen Opa, der eine schmerzliche Leere hinterlässt.

Die ersten Zeilen stammen aus der Feder seines Lieblingsdichters Gottfried Keller, die letzten Worte auf seiner Seite sollen ihm gehören:


"Der Zyniker Woody Allen sagt, er habe keine Angst vor dem Sterben,
er möchte nur nicht dabei sein, wenn es geschieht.
Andere sehnen den Tod herbei, fürchten aber das Sterben.
Ich möchte, wenn schon, dann in Würde sterben,
nicht aus dem Fenster springen wie der verzweifelte Dichter.
Das Sterben gehört zu jedem Leben.
Warum sollte man da nicht in Ruhe einschlafen dürfen?"

 

Ralf Bachmann, *29.12.1929  ✝ 26.08.2015
 

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27.7.2015

Eine erneute schwere Erkrankung (Verbunden mit einer Nierenoperationen) zwingt uns mit dem Wiedererscheinen der Sprachbilder und Sprachglossen noch einen weiteren Monat zu warten. Wir bitten um Verständnis und melden uns so bald wie möglich mit ersten neuen Produkten

Herzliche Grüße an alle Leser und Freunde Ralf bach Mann und Enkelin Lydia

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1.7.2015

Sprachbilder-Newsletter Juli 2015

Liebe Freundinnen und Freunde der „Sprachbilder und Sprechblasen“,

selten hat eine unserer Informationen ein so lebhaftes Echo ausgelöst wie die Mitteilung, dass wir Umziehen und deshalb eine größere Pause einlegen müssen. Alle, die uns geschrieben haben, wünschten uns in sehr netter Weise ein gutes Gelingen des Ortswechsels und drängten uns oft unüberhörbar zu einer baldigen Rückkehr an den Schreibtisch. Viele der Zuschriften hätten eine individuelle Antwort verdient. Aber das wäre sogar ohne Umzug weit über unsere Kräfte gegangen. So bitten wir alle, sich mit dem allgemeinen Dank und der Versicherung zu begnügen, dass uns die Verbundenheit unserer Leser sehr wohlgetan hat, selbst wenn wir auf den Angst erregend vielen Umzugskisten sitzend nur an das Ein- und Auspacken denken konnten. Eigentlich hatten wir an den Monatsbeginn mit ersten kleinen Sachen gedacht. Aber erfahrene Umzieher wissen, dass der letzte Schliff am schwierigsten ist und am längsten dauert. Dazu kam eine ungeplante Erkrankung, und nun müssen wir wieder um etwas Geduld bitten. Aber im Kopf arbeitet es schon mächtig. Und gesammelt ist einiges. Wir kommen bald wieder.

Das versichern Ralf Bachmann und Enkelin Lydia

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1.6.2015

Hier geht's zum Juni-Newsletter: Download (PDF)

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26.5.2015

Kleines Gedicht und größere Pause

Wenn man Leser einer privaten Webseite ist, hat das Vor- und Nachteile. Der wichtigste Vorteil ist die familiäre Atmosphäre in Ton und Inhalt der Beiträge und im Umgang untereinander, der Nachteil: Man wird auch von privaten Problemen betroffen. So war es während meiner Krankheit, so ist es in diesen Tagen. Wir müssen in eine barrierefreie Wohnung umziehen und in den Tagen der Umzugshektik den Griffel beiseite legen. Der Lesestoff wird also dünner fließen. Leser, seid tapfer. Später wird alles wieder wie zuvor. Heute kommt das Gedicht „Sprachenklage“ von Manfred Preiß, der ja vom Umzug nicht betroffen ist. Und morgen vielleicht noch die eine oder andere Kleinigkeit. Aber den kritischen Blick auf die Mediensprache werden wir auch bewahren, wenn wir auf den Umzugskisten sitzen.

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25.5.2015

Pfingstliche Sprachflohknackerei

Wenn man so ganz auf die Schnelle ein paar besonders lustige Stilblüten pflücken möchte, scheitert man garantiert. Die früher die größten Sprachböcke schossen, Politiker, Reporter, Liedertexter, sind inzwischen selbst Profis geworden und verstehen sich zwar nicht auf schönes, aber auf glattes, regelgerechtes Deutsch. Sie wissen nunmehr, dass ein Grund immer triftig, ein Widerspruch schroff, die Lage ernst oder zumindest zugespitzt, wenn nicht gar bedrohlich sein sollte und beide Seiten bis zuletzt verzweifelt um einen Ausweg ringen. Die Bedrohung für unsere Sprache sind heute weniger grobe Fehler als die wachsende Zahl der Fertigteile, die dem Anschein nach den Tag näher rücken lassen, an dem statt Sprachkünstlern Roboter die mühselige Arbeit des Formulierens übernehmen. Bis dahin tummeln wir uns in einer Sprachglosse noch einmal ein wenig „Auf der Koppel der weißen Schimmel“.

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18.5.2015

Es muss nicht immer die Toscana sein

Das altehrwürdige sächsische Grimma, in dem ich unsicher meine ersten journalistischen Schritte unternahm, ist vor allem durch die verheerenden Hochwasser der sie durchfließenden Mulde und die danach einsetzenden Hilfsaktionen des ganzen Landes bekannt geworden. Dabei ist manches andere an Grimmas Geschichte nicht weniger bemerkenswert als die immer wiederkehrenden Katastrophen: etwa dass schon Martin Luther in der romanischen Frauenkirche predigte und dass seine spätere Frau Katharina von Bora aus dem nahegelegenen Kloster Nimbschen flüchtete, dass der Grimmaer Verleger Göschen mit Schiller befreundet war und dessen „Don Carlos“ herausgab, dass Göschens Korrektor Johann Gottfried Seume „in Grimme“ seinen Tornister für den „Spaziergang nach Syrakus“ schnallte, dass Seume das geflügelte Wort „Wir Wilden sind doch bess’re Menschen“ erdachte, dem er das ebenfalls sprichwörtlich gewordene „Und er schlug sich seitwärts in die Büsche“ folgen ließ. Und dass auch die Mulde ihre friedlich-schöne „Schokoladenseite“ hat, die unser besonderes Foto erahnen lässt, bei dem man eher an die Toscana als an das Leipziger Land denkt.

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13.5.2015

Nichts ist leichter im Deutschen als das Fehlermachen

Diese Sprachglosse ist etwas länger. Das ist kein Zufall. Sie handelt von Fehlerquellen, und davon gibt es im Deutschen so viele, dass man fast endlos darüber schreiben könnte: Rechtschreibfehler, falsche oder ungeschickte Wortwahl,  Interpretationsprobleme, Bedeutungswandel durch andere Betonung oder andere Silbentrennung. Nur eine kleine Auswahl der häufigsten, unterhaltsamsten und lesenswertesten Beispiele wollten wir unter der vielleicht etwas verwirrenden Überschrift „Koniferen, Epikureer, die Macht der Musik und Fleckengel“ zusammenstellen, aber, siehe oben, etwas länger ist es doch geworden.

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11.5.2015

Eine Tüte Regletten, bitte

Ein unerschöpfliches und unterhaltsames Thema für jeden Sprachliebhaber ist das Fachkauderwelsch der verschiedenen Berufsgruppen. Wir hatten auf diesem Gebiet  zum Exempel schon mit dem Rotwelsch und mit dem Halblatein der Mediziner zu tun. Nehmen wir uns in der Sprachglosse „Über Hurenkinder und den Riss in der Hose von Pep“ heute einmal ein paar vergnügliche Beispiele aus dem seltsamen Vokabular der Drucker und die durchaus nicht jedem Kickignoranten auf Anhieb verständlichen Floskeln der Fußballkommentatoren vor.

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2.5.2015
 

Jelängerjelieber

Nicht alle lesen – zu ihrem eigenen Schaden – die interessante Seite mit den Leserkommentaren. In diesem Fall haben wir uns für einen kleinen Leseanstoß in der Rubrik Sprachglossen mit der Überschrift „Je ziert sich nicht lange“ entschieden.

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1.5.2015

Der Sprachbilder-Newsletter für Mai

... wurde soeben verschickt und kann hier heruntergeladen werden.
 

Mit ihm erscheinen eine neue Netzbauernregel, eine Krümelette und zu guter Letzt wie immer etwas zum Nachdenken:
 

Wie gut, Herr im Himmel, dass du allwissend bist.
So ist wenigstens dir klar, wie oft ich Sünden ganz
arglos beging, weil du das für mich bestimmte
Gedächtnis dem Einstein-Hirn eingebaut hast und
mir nur das weingetränkte von Sir John Falstaff blieb.

 


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29.4.2015

Der letzte Wurstzipfel am Südwestende Europas

Wenn Wikipedia einen Bratwurst-Imbissstand in Wort und Bild erwähnt, dann ist klar, dass er nicht in Weimar auf dem Markt steht und dass irgendeine Besonderheit ihm lexikalische Würde geben muss. Das lyrische Selbstporträt des Standbetreibers Wolfgang Bald gibt keine befriedigende Antwort: „Wer Anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurst-Bratgerät.“ Näher zum Ziel führt der (übrigens weltweit markenrechtlich geschützte) Text des Firmenschildes: „Letzte Bratwurst vor Amerika“ Wo man das findet und was es damit auf sich hat, verrät der Text zu unserem besonderen Foto.

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26.4.2015

Die Sprache ist ein Schatz

Ein Bekenntnis zu unserer schönen Sprache und einen Appell, sie wie einen Schatz zu bewahren, hat Manfred Preiß in zehn Zeilen gefasst, die wir mit der Überschrift „Was uns die Sprache ist“ in die Rubrik Sprachglossen aufgenommen haben.

Einen ganz ähnlichen Zweck verfolgt Kristin Kopf mit ihrem interessanten und – das sei ausdrücklich vermerkt – amüsant geschriebenen und vergnüglich lesbaren Buch „Das kleine Etymologicum – Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Sprache“, zu der wir unter Erlesenes eine Annotation bringen, weil wir meinen, dass es gerade für unsere Leserschaft eine echte Entdeckung sein dürfte.

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19.4.2015

Das Wort, es will gesprochen sein

Manchem ists aufgefallen, mancher war vielleicht sogar froh, seine Ruhe zu haben: Wir mussten mehr als eine Woche schweigen, weil die Telekom einen Kabelschaden hatte. Keine Angst, wir holen das jetzt nicht mit Verve nach. Wir haben in dieser Zeit nicht geschrieben (höchstens beim Pilze putzen), sondern nachgedacht. Aber ein paar Antworten sind wir schuldig geblieben. Und die geben wir heute als Sprachglosse unter der Überschrift „Wortneuheiten, Maßarbeit und Konfektion“.

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9.4.2015

Den Ball von der Brust abtropfen lassen

Die Fußballsaison nähert sich ihrem Höhepunkt. Ganz große Experten ahnen schon, wer Meister wird. Nur für den Pokalgewinn kann man sogar nach dieser Woche noch Wetten abschließen. Seit der Weltmeisterschaft hat sich indes vor allem eines geändert: die Verletztenliste. Sie ist um etliches länger geworden. Bei den Männern und – wozu haben wir schließlich die Gleichberechtigung – auch bei den Frauen. Nur eines ist uns unverändert erhalten geblieben: das geliebte Fußballdeutsch. Davon konnte ich mich neulich bei der Zubereitung von Champignons überzeugen und berichte darüber unter der Überschrift „Pilze putzen und Regelkunde

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27.3.2015

Poesie und Prosa aus der Umlauteszene

Der Erfolg seiner „Älegie“ war für Manfred Preiß Anlass, sich einmal etwas genauer in der  deutschen Umlauteszene umzusehen. Und er stieß dabei unter anderem bei Wikipedia auf genügend interessante Neuigkeiten für eine amüsante Sprachglosse, die er „Wenn Umlaute streiten“ nannte.

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23.3.2015

Die Herkunft der Redensarten

Leserin Rosi hat der kurze Beitrag über Sprichwörter und Redensarten so gefallen, dass sie verlangte: Oh ja, kommen Sie unbedingt darauf zurück… Das wird sicherlich irgendwann geschehen. Momentan nimmt mich ein anderes Thema voll in Anspruch. Aber glücklicherweise ist es nicht verpönt, bei sich selbst abzuschreiben. So greife ich erst einmal auf einen früheren Beitrag von mir zurück, modernisiere ihn ein wenig und stelle ihn unter Erlesenes mit der Überschrift „Fadenscheiniges unter Hempels Sofa“ zur Diskussion.

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17.3.2015

Ein neues Sprachzeitalter wird eingeläutet

Wer mit der Zeit geht, lässt sich rationalisieren. Warum nicht auch die Sprache? Nach der Abschaffung der Schreibschrift fordern die Modernisierer den völligen Verzicht auf die Handschrift. Die Kinder sollen die Tastatur der Computer studieren und nutzen und sich nicht mit Schönschreibschnickschnack belasten, den sie nie im Leben brauchen. Nächstes Opfer dürften Rechtschreibung und Stil sein. Surfen und Chatten im Internet erzwingt kurze Sätze, Weglassen des Artikels, Abkürzungen. Eine Zeitung illustrierte die Sprachentwicklung so: Mittelhochdeutsch (11.-14. Jh.): Hiute ist guotez  weter, Frühneuhochdeutsch (14.-17. Jh.): Heutt ist gutz wetter, modernes Deutsch: Heute ist gutes Wetter, Internet-Deutsch: 150315 kein real-time-regen. In einer SMS heißt „Aus unserem Treffen wird leider nichts“ nur: Verhindert frown. Für den Bericht über etwas sehr Lustiges genügt: rofl cheeky (= „rolling over floor laughing“, etwa: zum Kaputtlachen). Nicht lange und wir sehnen uns sogar nach dem Bürokratendeutsch, das Manfred Preiß in der Sprachglosse „Sprachkostbarkeiten“ beklagt.

_______________________________________________________________________________________9.3.2015

Macht twittern die Sprache vogelfrei?

Jeder artikuliert seine Sorgen um die Sprache auf seine Weise. Ein-Mensch-Dichter Manfred Preiß aus Dresden tut es manchmal in Versform. Heute quält ihn der gereimte Gedanke, Handy und twittern könnten am Ende die Sprachregeln überflüssig und damit die Sprache vogelfrei machen. Wir geben ihm das Wort für eine gedichtete Sprachglosse „Sprachwächter“.

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3.3.2015
 

Liebe Interessenten an der
M
ainzer Diskussionsrunde zum Kalten Krieg:


Die Videoaufzeichnung (2 Std.,17 Min.) des Diskussionsabends mit Gerd Ruge, ehemals ARD-Korrespondent in Washington und Moskau, Ralf Bachmann, für die DDR-Agentur ADN insgesamt elf Jahre Korrespondent in Prag und in Bonn, und Prof. Dr. Jost Dülffer, Experte für Geschichte des Kalten Krieges, ist ab sofort im Portal der Gerda-Henkel-Stiftung zu finden:

http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/auslandskorrespondenten_kalterkrieg


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16. Februar 2015

Korrespondenten aus Ost und West im Kalten Krieg

Zu einer Diskussionsrunde über Erlebnisse von Journalisten aus der BRD und der DDR im Kalten Krieg hatte das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte am 11. Februar in das Mainzer Gutenberg-Museum eingeladen. Gerd Ruge, ehemals ARD-Korrespondent in Washington und Moskau, Ralf Bachmann, für die DDR-Agentur ADN insgesamt elf Jahre Korrespondent in Prag und in Bonn, und Prof. Dr. Jost Dülffer, Experte für Geschichte des Kalten Krieges, beantworteten mehrere Stunden lang Fragen von Prof. Dr. Johannes Paulmann und Dr. Bernhard Gißibl vom Leibniz-Institut, die als Moderatoren die Diskussion lenkten. Einen kurzen Bericht Ralf Bachmanns darüber bringen wir unter der Überschrift „Auslandsberichterstattung im Kalten Krieg“ in der Rubrik Diskussionen und Interviews.

 

 

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9. Februar 2015

Was gehört zu einer schlechten Schreibe?

Auf der Sprachstraße gibt es mancherlei Schlaglöcher, und jeder Sprech- und Schreibverkehrsteilnehmer weiß, da leidet selbst die beste Bereifung. Deshalb wollten wir rechtzeitig vor den schlimmsten von ihnen warnen: Unklarheiten, was Subjekt und was Objekt ist, Neuwörter, die nicht die voltaireschen Bedingungen Notwendigkeit, Verständlichkeit und Schönheit erfüllen, das Amtsdeutsch mit seinen unsäglichen Schlangenwörtern, die Verlockung, sich des bereits mit Erfolg zu Papier Gebrachten zu bedienen und die dabei lauernden Gefahren. Das alles wie immer ohne Bierernst und erhobenen Zeigefinger als Sprachglosse unter der Überschrift „Wovon man das DIN-A4-Blatt freihalten sollte“.

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7. Januar 2015

Wie man schön zu schreiben lernt

Das hat uns gerade noch gefehlt. Einige Leser wollen von uns wissen, was man zu beachten hat, wenn man gut lesbar und  schön schreiben will, ob es da Tricks und Geheimnisse gebe oder ob alle Autoren ein angeborenes Talent haben müssen. Wir haben zusammengestellt, was uns gerade einfiel und daraus die Sprachglosse „Ratschläge zum Beschreiben eines DIN-A-4-Blattes“ gemacht. Wer es danach noch nicht begreift, dem fehlt wahrscheinlich die Begabung oder die Fortsetzung (demnächst).

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31. Dezember 2014

Die 10.000 geknackt

Nun ist es passiert – und ganz ohne Manipulation, die 10.000er Marke wurde noch im alten Jahr geknackt. Welche eine Freude, die wir mit 10.000 Sprachböllern in der Silvesternacht standesgemäß feiern wollen. Dank gebührt allen treuen Lesern und gelegentlichen Besuchern unserer Seite, an dieser Stelle aber einmal besonders jenen aktiven Partnern, die mit nun schon fast 200 Leserkommentaren unseren „Sprachglossen und Sprechblasen“ ihr unverwechselbares Gesicht geben halfen. Auf ein Neues im Jahre 2015 und auf weitere 10.000 Besucher!

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23. Dezember 2014

Der Sprachalltag ist voller Äh-lichkeiten

Manfred Preiß wollte dem äh-Laut, ohne den eine moderne deutsche Konversation undenkbar wäre, ein Denkmal setzen und schrieb uns: Die Bereicherung der deutschen Sprache  mit dem gedehnten „äh“ ist verbreitet. Besonders am Telefon: Ja, äh, hier ist – hallo, äh, wer spricht da? Ja, guten Tag, natürlich, äh, da kann ich...nein, leider, äh, das geht... tut mir äh, leid, geht nicht... nein, äh, kann ich Ihnen, äh, nicht helfen... hallo, äh, sind Sie noch dran? Nuhatder-äh-aufgelegt.

Aber im „normalen“ Deutsch taucht der a-Umlaut nicht nur als Pausenfüller erstaunlich häufig auf, was den Eugen-Roth-Verehrer Preiß zu einer „Älegie“ anregte, die gut in unsere Rubrik Sprachglossen passt.

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22. Dezember 2014

Eine neue Rubrik

Die Erfahrungen der letzten Zeit haben uns gelehrt, dass in der Gliederung unserer Webseite eine Lücke besteht. Es kommt manchmal vor, dass mich Journalisten um Interviews oder um Stellungnahmen bitten, dass man mich zur Teilnahme an Diskussionen oder Gesprächen einlädt. Meist zwingt mich der Zustand meines Bewegungsapparats zur Absage, aber in schriftlicher Form äußere ich mich zu Themen, die mir am Herzen liegen, gern. Das ist in einigen Fällen auch für Leser der Webseite interessant und soll ihnen künftig in der Rubrik Interviews/Diskussionen zugänglich gemacht werden, Aus aktuellem Anlass beginnen wir heute mit dem Thema Kalter Krieg:

Korrespondenten im Kalten Krieg

Der Kalte Krieg, von vielen bereits als vergangener Geschichtsabschnitt zu den Akten gelegt, beschäftigt in letzter Zeit wieder verschiedene Institutionen. In einem Sammelband des Kölner Von-Halem-Verlages berichten 17 Korrespondenten aus Ost und West über ihre Erfahrungen „zwischen Propaganda und Selbstbehauptung“. Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz veranstaltet zur gleichen Thematik eine Gesprächsreihe mit dem Titel „Augenzeugen, Übersetzer, Zeitzeugen: Deutsche Auslandskorrespondenten von den 1970er Jahren bis heute“. Das zeitliche Zusammentreffen mag ein Zufall sein, aber wie aktuell das Thema ist, beweist nicht zuletzt der Aufruf von 60 Prominenten „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ Warum und wie wir daran Anteil nehmen, ist in der neuen Rubrik „Diskussionen und Interviews“ unter der Überschrift „Lehrstunden zum Thema Kalter Krieg“ nachzulesen.


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1. Dezember 2014

„Fragt uns aus. Wir sind zuständig.“

Es war nicht mein Wunsch, aber das Schicksal hat es so gefügt, dass man aus meinem Lebenslauf zwei machen könnte. Nicht nur wegen seiner Länge – immerhin besteht er, wenn ich demnächst 85 werde, aus einem Riesenberg von über 31.000 Tagen –, sondern auch wegen des ständigen Auf und Ab in vier verschiedenen Gesellschaftssystemen und Herrschaftsformen. Leidtragender der Weltwirtschaftskrise, schikanierter, aber überlebender Judenjunge im Nazireich, erfolgreicher linker Journalist und wachsam beäugter Sohn eines in Sowjethaft verstorbenen Sozialdemokraten in der DDR, „Altlast“ zwischen Opfer und Täter in der vereinigten BRD. Man kann sich aussuchen, was man über mich schreiben will: eine traurige Geschichte der ständigen Verfolgungen und Drangsalierungen oder eine Mut machende der erstaunlichen Karriere eines „Angepassten“, der schließlich mit Glück und Geschick immer wieder durchgekommen ist. Es wird immer etwas sein, das vom Mainstream der Gegenwart abweicht, interessant und unter den heutigen Bedingungen unwiederholbar ist – eines der vielen lehrreichen und wachsam machenden Schicksale der Verfolgten des 20. Jahrhunderts, in deren Namen Hans Sahl als einer der letzten nach Deutschland zurückgekehrten jüdischen Exilschriftsteller an die Deutschen appellierte: „Greift zu, bedient euch. Wir sind die Letzten. Fragt uns aus. Wir sind zuständig.“ Kurt Goldstein, Spanienkämpfer, Auschwitz- und Buchenwaldhäftling, hat den gleichen Gedanken 1999 zum Titel seiner Autobiografie gemacht und so den Anstoß dafür gegeben, dass sich in der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten ein Arbeitskreis „Fragt uns, wir sind die Letzten“ bildete. Er hat mittlerweile fünf Broschüren mit Interviews von Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus unter dieser Sammelbezeichnung herausgegeben. Die letzte enthält ein längeres Gespräch mit mir, aus dem wir in der Rubrik Bücher unter der Überschrift „Haben Sie schon ein Hitlerbild?“ einige Passagen zitieren.

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12. Oktober 2014

MDR über den Start von Ralf Bachmann als Journalist

Über die ersten Schritte Ralf Bachmanns auf seinem langen Weg als Journalist hat der MDR am 9. Oktober in einem Beitrag der Sendung Lexi TV berichtet. Ralf Bachmann erzählt darin über die Schwierigkeiten des journalistischen Anfangs bei der Leipziger Volkszeitung in einer Zeit, die den ersten Höhepunkt des kalten Krieges bedeutete. Zu sehen ist auch sein erster Artikel in dem Blatt, nicht über große Politik, sondern über etwas, was die Menschen in der ersten Nachkriegszeit mehr bewegte: den Mangel an Hefe für die Weihnachtsbäckerei. Kurz wird auf die familiären Sorgen und das schwere Schicksal des Vaters eingegangen. In mehreren Fotos von damals lernt man den jungen Journalisten und seine Eltern optisch kennen.

Der Beitrag von LexiTV zum Nachschauen: Die Presse in der frühen DDR

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6. April 2014

Deutsch für Insider

Ein Satz im „Vorläufigen Arztbrief“ zur Entlassung aus dem Krankenhaus ließ bei mir den Gedanken aufkommen: Hätte man das nicht so formulieren können, dass auch ich es verstehe? Aber dann überlegte ich, dass es ja ein Brief für den Hausarzt ist. Müssen Ärzte mit Ärzten so korrespondieren, dass es auch der Laie versteht? Und reden Drucker mit Druckern über ihre Arbeit allgemeinverständlich oder sollten sie es wenigstens tun? Am Ende des Nachdenkens entstand für Erlesenes der Beitrag „Ärzte unter sich“.

 

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2. April 2014

Lesetipp: Der Osten ist ein Gefühl“ von Anja Goerz
 

„Auch heute noch ist die Mauer in den Köpfen der Menschen nicht verschwunden. Das erfährt Anja Goerz in ihrer täglichen Arbeit als Radiomoderatorin beim rbb. Deshalb wollte sie es genauer wissen: Warum fühlen sich im Osten sozialisierte Menschen oft so ungerecht behandelt? Stimmen die Behauptungen über das Verdrängen der Ossis von den Spitzen der Universitäten, Gerichte und Kliniken? Waren die Ossi-Frauen wirklich so viel emanzipierter? Haben die Wessis einfach alles plattgemacht und nach ihren Regeln umgebaut?
 
Anja Goerz stellt ganz unterschiedliche Menschen aus der ehemaligen DDR vor. Sie befragte Unbekannte und Prominente wie Inka Bause, Achim Menzel, Knut Elstermann und Sebastian Krumbiegel. Zu Tage traten traurige und komische, sentimentale und manchmal erschreckende Erinnerungen. In die Porträts ist viel Biografisches eingeflossen, erzählt wird aber auch von Motivationen und Haltungen, Verletzungen und Chancen.
“ (aus: www.dtv.de)

Das Buch enthält auch ein Interview mit Ralf Bachmann.


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4. Januar 2014

Philosophisches und Nostalgisches über den Radiergummi

Der Radiergummi hat bei den Schülern eine Sonderstellung. Er ist ihr Kumpel, ihr Gefährte selbst bei mancher Missetat. Nie und nimmer kann ein Schulbuch oder ein Taschenrechner, eine Schiefertafel oder ein Schwamm diesen Rang erreichen. Sie bleiben Fremde. Man merkt es auch an den Bezeichnungen. Der Ratzefummel ist einzigartig. Er hat nur einen gleichwertigen Partner: den Bleistift, mit dem er eine dauerhafte Radiergemeinschaft bildet. Der hat so wenig mit Blei zu tun wie der Rohrstock mit Rohr. Aber haben sie alle eine Zukunft? Diese Frage ist Grund genug für philosophische und nostalgische Erwägungen unter der Überschrift „Wir nannten ihn Ratzefummel“ in der Rubrik Erlesenes.

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26. Oktober 2013

Figuren auf der Bühne der alltäglichen Sprachschluderei

Noch ist keine neue Regierung in Sicht, noch kann alles platzen und der Lächeloffensive eine neue Eiszeit folgen, von – Gott behüte! – neuen Wahlen ganz zu schweigen, da holt das normale Leben seine Figuren schon wieder auf die Bühne der alltäglichen Sprachschluderei zurück. Und dort geht es nicht um Listenplätze und Augenhöhe, um Essentials und Kompromisse, sondern um solche Lächerlichkeiten wie erste Küsse und Mauschelei mit fremden Tieren, um bettelarme Millionäre und Sprachmachos an der Juso-Spitze. Wer mehr wissen will, findet es in der Sprachglosse „Der erste Kuss kann in die Hose gehen“.


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2. Oktober 2013

Eine Saalrunde bitte, wenn sie einer bezahlt

Ein kleiner Nachschlag zum Thema Wahlkampfdeutsch ist fällig. Einerseits wurden wir darum gebeten, andererseits wies dieser Wahlkampf einige sprachliche Besonderheiten auf. Fast völlig fehlten die Beschimpfungen mit Wörtern aus der Fäkalsprache. Das kommt nicht mehr an. Heute dominiert das Fürsorgeangebot: Wählt uns, damit wir dafür sorgen können, dass es euch weiter gut geht. Die anderen setzen euren Wohlstand aufs Spiel, ziehen euch das Geld aus der Tasche und wollen euch vorschreiben, was ihr esst. Nicht die Würde, sondern die Wahrheit fiel dieser Sprache zum Opfer. Wer hat schon gemerkt, dass ein einziges Wort genügt, um aus allen Versprechungen Luftblasen zu machen? Wir nennen dieses Wort in der Sprachglosse „Unter Vorbehalt“.